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Schallplatten – eine Leidenschaft


Klar ist: Vinyl bedeutet Leidenschaft! – Vinylsammlungen wiederum zeugen von dieser und sind das Ergebnis langjähriger Arbeit und viel Engagement. In diesem Sinne haben wir uns mit bekannten Sammlerinnen und Sammlern, die besonders in sozialen Netzwerken aktiv sind, über ihr Verhältnis zu Vinyls und ihren privaten Sammlungen unterhalten. Wir haben nachgefragt: Was macht die Faszination für Platten aus? Worin besteht ihr großer und gar magisch anmutender Reiz? Was macht es aus, wortwörtlich „anders“ Musik zu konsumieren, als lediglich digital und über Streaming-Plattformen? Kann ebendiese Leidenschaft nicht gar zu einem Teil der persönlichen Identität werden? 

Es beginnt immer mit der ersten Platte – oft ist es die eigene Familie, welche diesen ersten Funken des leidenschaftlichen Sammelfeuers entfacht. Bei Tom aus Bochum ist sein – so wie er sagt – „Vater schuld“; und Ria erzählt uns, dass bereits ihre Oma und ihre Mutter sie für Schallplatten begeistert haben. „Ich bin damit mehr oder weniger aufgewachsen, da meine Mutter und meine Oma selbst Platten sammelten und damit haben sie mich glücklicherweise angesteckt.“
Und wohl gemerkt: Früh übt sich! Tom bekam seinen ersten Plattenspieler bereits in der Kindheit, um darüber Hörspielen zu lauschen. „Meinen ersten Plattenspieler besaß ich mit vier Jahren. Ohne Witz. Das war so ein Plastikasten in Orangeweiß, so ein Kofferding.“

Als Medium verbindet eine Platte diverse Reize. Akustik über die jeweilige Musik, Visualisierung in Form der oft äußerst kunstvoll ausgestalteten Artworks bis hin zum eigentlichen haptischen Erlebnis und – wie Daan aus Utrecht hinzufügt – sogar ganz eigene Gerüche. Gerüche? Ja, absolut richtig. Aber lest selbst! „Nothing is more beautiful than a record, the music in your hands and the smell of an old record from a dusty record store and digging through all kind of records stores and hoping that I just find the record that I want.“

Bei allen Sammelnden wird schnell klar, dass zudem der Klang ein entscheidendes Kriterium ist, Schallplatten zu hören und gleichsam dem digitalen Streaming vorzuziehen. Manfred Krug – Gründer und Chefredakteur des deutschlandweit bekannten Vinylblogs Vinyl-Fan.de– findet dafür die äußerst passenden Worte. „Das intensive Genießen und bewusste Hören von Musik ohne zu zappen und Songs auszuwählen – von vorne bis hinten hören, so wie es der Künstler beabsichtigt hat. Kein schnelles Konsumieren, sondern sich auf die Musik, auf die Band einlassen. Das Plattencover und, sofern vorhanden, die Texte und Linernotes lesen, geht bei Streaming gar nicht. Und: Über eine gute Hifi-Kette klingt selbst eine durchschnittliche LP meist besser als eine gute CD.“ Ria fügt hinzu, dass es auch um erlebte Emotionen hinsichtlich des Hörens geht. „Ich habe persönlich mehr davon, wenn ich eine Platte höre als wenn ich die Musik nur streamen würde, da mir hierbei die Nähe zur Musik fehlt. Noch dazu ist es ein schönes Gefühl, wenn man das Album direkt bei sich zu Hause hat, denn das kann einem keiner nehmen.“ … und Daan fasst es präzise mit den folgenden Worten zusammen: „It is a big difference when you listen to an album on Spotify, iTunes or Deezer. Vinyl wins this battle!“

Die individuellen Sammlungen, welche bei unseren Befragten sogar mehrere Tausend Exemplare umfassen, sind nicht einfach nur Musik im Regal. Ganz im Gegenteil, „Vinyls, spiegeln quasi auch ein Leben wider“, beschreibt es Tom. So unterschiedlich die Geschmäcker auch sind, so klar sind wiederum die Vorstellungen darüber, was die eigene Sammlung so besonders macht und demnach auch, welche neue Platten aufgenommen werden. Aber was sind die ausschlaggebenden Kriterien dafür? Für Tom sind es ganz unterschiedliche Faktoren – „Ganz ehrlich, sie muss mir gefallen. Ich mache da eigentlich vor nichts halt. Wenn das Cover geil ist, die Scheibe aber musikalisch nicht meinen Geschmack trifft, kann es trotzdem sehr gut möglich sein, dass sie den Weg in meine Sammlung findet. Klar spielt auch der Zustand sowie Emotionen und Erinnerungen eine Rolle.“  Ria ergänzt: „Einerseits muss mich das Cover ansprechen, aber hauptsächlich habe ich eine Liste mit Bands und Artists, die ich sammle und gerne in meiner Sammlung haben möchte.“ … und Manfred bringt es folgendermaßen auf den Punkt: „Musikalisch muss sie mich fesseln und auch emotionale Momente bieten. Je einförmiger, gleichmäßiger der Inhalt, desto schneller langweilt sie mich – also Abwechslung ist wichtig. Guter Klang macht viel aus und macht die LP schon mal reizvoll für mich. Aufwändige Plattencover sind schon mal die halbe Miete.“ 

Neben der Musik spielt also folglich das Artwork eine äußerst entscheidende Rolle beim Kauf einer neuen Vinyl. Spannenderweise ist es genau diese Schnittstelle, an welcher diverse Kunstformen aufeinandertreffen: Das Akustische wird durch das jeweilige Cover visualisiert und quasi verkörpert. Aus ebendieser Kombination kann eine starke emotionale Wirkung auf die Hörenden resultieren, denn sie macht es zu einem wahrlich „anderen“ Musikerlebnis. Hinzu kommt, dass sich sehr individuelle Hörgewohnheiten entwickeln, um für sich den intensivsten Musikgenuss zu verwirklichen. Für Tom ist es stark mit den alltäglichen Gefühlen und Emotionen verbunden – „Geht es mir gut, höre ich Musik, geht es mir schlecht, ebenso. Schallplatten sind da wie ein Ventil. Manchmal laufen aber auch beide Plattenspieler gleichzeitig, etwa wenn ich gebrauchte nebenbei erstmal stumm durchlaufen lasse, um zu gucken, ob sie einen Sprung haben, oder um den Staub nochmal aus der letzten Rille zu fahren, während ich die andere Scheibe intensiv und im Sitzen höre.“ Manfred hingegen achtet sehr auf das regelmäßige Hören, besonders auch in Hinblick auf seine stets aktuellen und ausführlich geschriebenen Blog-Beiträge. „Ich höre fast täglich, je nach Zeit 1-3 Stunden. Bei neuen Platten lasse ich sie oft erst mal nebenbei laufen und habe immer ein Ohr dabei. Auf diese Weise lasse ich sie auf mich wirken. Erst dann setze ich mich vor die Anlage und höre genau zu. Zumindest mache ich das bei Rezensionsplatten so.“ Daan hört am liebsten morgens oder abends Platten, stets in Verbindung mit Kaffee oder Rotwein. „I listen to my records and then I’m enjoying my own collection. Nothing better than a nice red wine, dancing in the room, or a coffee in the morning with a record spinning on your turntable.“
Aber auch zur Erholung vom häufig stressigen Alltag sind Platten ein wohltuender Ausgleich, wie es Ria uns erzählt. „Am liebsten höre ich Schallplatten, wenn ich von der Arbeit heimkomme, dann setze ich mich auf mein Sofa, mache mir einen Kaffee und ein paar Kerzen an.“

Halten wir fest: Schallplatten sind und bleiben etwas Besonderes. Die Haptik, das Fühl- und Greifbare, kunstvoll gestaltete Cover, die Rituale beim Hören und die damit verbundene Leidenschaft zum Sammeln – das Medium trägt eine außergewöhnliche Emotionalität in sich und steht nicht zuletzt für einen bewussten Musikkonsum. Ebendiesen gilt es angesichts der unglaublich umfangreichen Auswahl des Musikmarktes als Herausforderung für uns alle zu begreifen. Die digitale und ständige Verfügbarkeit von Musik hat definitiv Einfluss auf uns und unser Hören. Ria, Manfred, Daan und Tom machen es vor – nun liegt es an uns, uns wieder auf Musik einzulassen und ihr dadurch eine besondere Wertschätzung gegenüber erbringen zu können.


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