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Perspektiv-Wechsel: Max Brenner im Gespräch mit Marcel Wilkens


Das Cover zu Moving Meadows stammt von Marcel Wilkens.
Der gebürtige Hamburger wuchs in der Hansestadt auf und studierte dort an der Technischen Kunsthochschule Kommunikationsdesign.
Seit 2011 ist er als selbstständiger Grafikdesigner hauptsächlich unter dem Namen erased memories tätig.
Wir haben uns für ein Gespräch mit ihm in seinem Studio in Hamburg getroffen.

Marcel empfängt mich im Treppenhaus: kurze Begrüßung und los ins Studio. Der weit geschnittene Raum erinnert an ein Loft – ein ehemaliger Speicherraum, wie er mir erzählt. Den Raum teilt er sich mit anderen Leuten aus der Kreativbranche – modernes Coworking. 
Das Studio hat mit seiner Lage direkt in der Speicherstadt ein wahrlich besonderes Flair: Auf der einen Seite erheben sich alte Handelsgebäude aus dunklem Backstein; die andere Seite ist von modernen Glas-Beton-Bauten gesäumt. Dieser Kontrast aus Vergangenheit und Moderne verleiht dem Ort etwas Belebtes, Dynamisches und nicht zuletzt beinhaltet er viel inspirierendes Arbeitspotential. Mit dem Blick auf den Schreibtisch lässt sich dieses Potential direkt erkennen: Auf dem Bildschirm ist das noch geöffnete 3-D-Programm zu sehen, mit welchem er am neuesten Musikvideo für Ellen Allien beschäftigt ist.
In locker-entspannter Atmosphäre sprechen wir über seine künstlerische Arbeit, aktuelle Projekte und über das Cover zu Moving Meadows.

Künstlerische Anfänge

Max Brenner: Bereits seit der Kindheit spielte Kunst eine ausschlaggebende und entscheidende Rolle in Deinem Leben.
Marcel, wie kam es dazu, dass Du ein solches Kunstinteresse entwickelt hast?

Marcel Wilkens: Das war einfach irgendwie schon da und war schon immer ein Teil von mir. Als ich abends im Bett lag und die Augen zugemacht habe, kamen mir immer Gedanken und Bilder, die ich umsetzen wollte. Deswegen habe ich früh angefangen viel zu malen und zu zeichnen – es faszinierte mich einfach. […] 

Kollaboration mit Ellen Allien

Die Zusammenarbeit mit der Berliner Techno-Ikone Ellen Allien ist derzeit eines Deiner am intensivsten bearbeiteten Projekte.
Dabei geht es aber um weitaus mehr, als „nur“ Inhalte für sie zu produzieren: Es geht um eine fruchtbare und bereichernde Kollaboration. Erzähle mir mal mehr darüber.

Die Techno-Musik von Ellen Allien passt gut zu meinen Sachen. Und das Schöne an dem Projekt ist, dass ich es mit Ellen zusammen geschafft habe, wirklich neue Visuals für sie zu kreieren. Vieles von ihr vorher war ja immer grau-schwarz-weiß, also auch typisch techno-lastig, monolithisch und stilisiert. […]
Ich arbeite ihr nicht einfach zu oder mache es fertig, so wie sie es möchte, sondern sie vertraut mir da. Das ist der wichtigste Aspekt einer gemeinsamen, guten und funktionierenden Zusammenarbeit. […]

Künstlerische Arbeit

Deine Werke entstehen zumeist am Computer. Was sind die entscheidenden Vorteile der digitalen Arbeitsweise? Was ist das Interessante an dreidimensionaler Kunst und neuester digitaler Technik für dich? Worin unterscheidet es sich konkret gegenüber der analogen Arbeitsweise? 

Ich glaube das Gute an der jetzigen Zeit ist, dass man wirklich sehr schnell Kunstwerke erzeugen kann, die viel emotionaler sind, die viel mehr das treffen, was man aussagen möchte, als wenn man ein Bild malen würde. Also das soll jetzt auf keinen Fall irgendwie wertend klingen, ich habe hier auch noch Bilder rumliegen [zeigt hinter sich auf diverse Leinwände…], die mit Acryl von mir gemalt wurden; aber ich habe es nie geschafft, das so hinzubekommen wie im digitalen Bereich. Ich glaube, dass das auch definitiv die Zukunft sein wird! […]

Moving Meadows

„Das, finde ich, spürt man bei dem Song […],
dass es musikalisch in eine Richtung geht,
die einen neuen Horizont erschafft.“

Jon Darcs Single erscheint nun auf unserem Label Weitblick Records. Wie gefällt Dir das Lied? Was löst es in Dir aus?

Als ich den Song gehört habe, habe ich gleich gemerkt, es handelt sich hier nicht um 08/15-Musik, das ist jetzt nicht irgendein Track, den ich schon öfter mal gehört habe – und ich höre wirklich sehr, sehr viel Musik! 
Das ist immer wirklich positiv für mich, wenn ich Musik höre, die ich neuartig entdecken kann und merke, es ist ein Artist, der das mal nicht eben so macht. Das, finde ich, spürt man bei dem Song, dass es nicht einfach jemand ist, der sagt: Ich haue hier mal irgendeine Single raus, sondern dass es musikalisch in eine Richtung geht, die einen neuen Horizont erschafft. Das finde ich spannend und erfrischend! […]

Limitierte Kleinauflage

Das Cover erscheint in einer exklusiven Kleinauflage von 25 Stück als gerahmter und signierter Druck in unserem Labelshop erhältlich.
Unsere Labelphilosophie zielt damit auf eine ganzheitliche künstlerische Inszenierung der Musik ab. Was hältst Du von diesem außergewöhnlichen Konzept?

Ich finde das super! Es gibt viel zu wenig Wertschätzung für die beteiligten Künstler des Artworks. Das ist immer ein Ganzes, ein Gesamtkonzept: Du hörst dir ja nicht einfach nur die Musik an, sondern schaust dir auch das Cover an.
Da passiert etwas im Kopf, du hörst die Musik und siehst das Cover und merkst, genau das habe ich mir vorgestellt oder das ist die Welt, in der ich schwebe. Ich finde, das ist das Wichtigste, dieses Gesamtkonzept! Die Kunst, die das verbindet mit der Musik – dann erst schließt sich quasi der Kreis.

Nach dem erkenntnisreichen Gespräch machen wir uns auf den Weg, um frischen Kaffee zu holen. Wir gehen an der Hafenpromenade spazieren; neben uns türmen sich hohe Glasbauten auf. In direkter Nähe zur Elbphilharmonie setzen wir uns in den Schatten eines Baumes, sprechen über Clubkultur, Musik und den Kunstmarkt.
Nach unserem Spaziergang verabschieden wir uns vor Marcels Studio. Auf dem Rückweg zum Bahnhof fällt mir abermals die außergewöhnliche und inspirierende Atmosphäre der Gegend auf, welche in der untergehenden Sonne noch intensiver zu sein scheint.

Jon Darcs Moving Meadows erscheint am 20.11. und ist auf allen Plattformen verfügbar. Das gerahmte und signierte Artwork ist ab sofort in unserem Shop verfügbar.