Melancholie, Inspiration und Freiheit – im Gespräch mit Mira Nait   Melancholie, Inspiration und Freiheit – im Gespräch mit Mira Nait open   Melancholie, Inspiration und Freiheit – im Gespräch mit Mira Nait

Melancholie, Inspiration und Freiheit – im Gespräch mit Mira Nait


Der Künstler Mira Nait macht mitreißende melancholische Musik, so viel steht fest. Was den in Bonn lebenden Künstler dazu inspiriert und was er mit seiner neuen Single Hey Darlin’ für sich persönlich verarbeitet, hat er im Gespräch mit Max Brenner erzählt. 

Erst mal ein paar Worte zu Dir. Möchtest Du Dich einfach kurz vorstellen? Was bedeutet es für Dich, Mira Nait zu sein? 

Mira Nait bedeutet für mich Freiheit: Es bedeutet, mich so von den Alltagszwängen ein wenig loszureißen. Es bedeutet für mich, ich selbst zu sein. Beruflich bin ich so stark eingespannt, dass ich wenig zu Momenten der Ruhe komme oder in denen ich mich zurückziehen kann. Und gerade in dem beruflichen Feld, in dem ich unterwegs bin, muss ich auch immer eine bestimmte Fassade aufrechterhalten. Ich kann nicht wirklich ich selbst sein. Und das ist für mich Mira Nait: Die Flucht zu mir selbst. Es hat auch sehr lange gedauert, bis ich dann wirklich den Entschluss getroffen habe, etwas zu veröffentlichen, und damit den Schritt gewagt habe, ich selbst zu sein.

Beschreibe Deine Musik in drei Worten!

Gefühlvoll, durchdacht und ein Spiegelbild meiner selbst.

Deine Musik ist sehr eng verbunden mit Dir als Person. Welche Rolle spielt Musik, um Dich auszudrücken?  

Viele Leute glauben, dass ich ein schüchterner Mensch bin, was gar nicht stimmt. Ich bin sehr offen, unterhalte mich auch gerne mit anderen, aber ich bin ein sehr ruhiger Mensch – ich ziehe mich auch gerne zurück und mag es, für mich alleine zu sein. Durch die Musik schaffe ich es, meine Gefühle auszudrücken. Ich denke, das geht vielen Musikern so. Umso wichtiger ist es für mich, das dann auch in Texten fassen zu können, um ein gewisses Gefühl rüberzubringen.

In Deinen Produktionen thematisierst Du sehr persönliche Aspekte – ist dies auch auch ein Weg für Dich, diese zu verarbeiten?

Definitiv! Also manchmal badet man ja auch gerne in Melancholie: Ich habe meine Playlist auf Spotify und höre sie mir bewusst an, weil ich in dem Moment einfach ein bisschen traurig sein will. Das heißt, es ist nicht immer nur ein Verarbeitungsprozess, sondern auch ein bewusstes Sich-Hineinversetzen in einen bestimmten Gefühlszustand. Dann habe ich auch wieder eigene Songs – also zum Beispiel Cold oder jetzt auch Hey Darlin’. Bei Cold habe ich eine Beziehung verarbeitet und mit Hey Darlin’ will ich das Gefühl vermitteln, dass man eine Beziehung bewusst aufgibt und es irgendwie weitergeht!
Also klar, so ist es für mich eine Möglichkeit, mich mit meinen Gefühlen auseinanderzusetzen und andere Leute an meiner Gefühlswelt teilhaben lassen.

Stichwort: Melancholie – die schwingt bei Dir immer mit, ob musikalisch oder auch textlich. Welchen Stellenwert nimmt das Gefühl für Dich ein?

Für mich war es immer so, dass melancholische und etwas traurige Lieder besonders gefühlsstark sind und bei mir die meisten Regungen hervorgerufen haben. Ich weiß nicht, woher das genau kommt – ich war halt immer ein nachdenklicher Mensch. Als ich noch jünger war, habe ich angefangen, Musik zu hören; und dann stellte ich mir vor, dass ich ein Darsteller in einem Film bin und das traurige Musik im Hintergrund läuft – solche Bilder hatte ich schon früher immer im Kopf. Das erste Instrument, das ich gespielt habe, war das Klavier. Da habe ich auch immer sehr gerne Chopin gespielt und vielleicht hat das Melancholische auch da schon seinen Ursprung gehabt.
Es ist einfach diese Art von Musik, die mich am meisten bewegt und treibt. Es ist keine Musik, die ich wirklich jeden Tag hören kann, weil sonst würde es mich in einen Melancholie-Strudel ziehen – das wäre natürlich auch nicht schön. Aber nichtsdestotrotz ist es ein großer und unglaublich schöner Teil meines Lebens.

Deine Veröffentlichung Hey Darlin’ handelt davon, verlassen und zurückgelassen zu werden. Was hat Dich bei der Produktion inspiriert?

Ich glaube, jeder kennt das, oder war sogar selbst schon einmal in einer toxischen Beziehung. Da merkt man die ganze Zeit, dass es nicht richtig funktioniert. Man ist ständig enttäuscht von diesen Menschen, ist aber trotzdem bewusst in einer solchen Situation. Also einem ist klar, die Beziehung wird nicht ewig halten können und trotzdem tut man sich das an. Im Song geht es um dieses Gefühlschaos, in dem man in diesem Moment ist, aber gleichzeitig um eben diesen Schritt, den man vielleicht selbst wagt oder vielleicht auch gezwungenermaßen macht, und sich von jemandem trennt. Also es ist dieses Freiheitsgefühl, was der Song vermittelt und das Gefühl, dass es weitergeht. Er ist ziemlich persönlich, weil es auch um eine toxische Beziehung geht, in der ich lange Zeit war. Diese hat mich aber letzten Endes auch dazu inspiriert, viel zu schreiben und daraus Musik zu machen – also auch aus traurigen Momenten lässt sich viel mitnehmen!

Das heißt, das für Dich auch ein sehr trauriges Gefühl durchaus auch zu Positivem inspirieren kann?

Auf jeden Fall. Also vielleicht im Lied nicht unbedingt vom Text her, aber definitiv, was die Stimmung angeht. Das ist auch genau das, was ich eben meinte: Im Song Cold singe ich über die selbe Beziehung und da habe ich mit dem Lied die Beziehung verarbeitet. Mit Hey Darlin’ hatte ich diesen Verarbeitungsprozess eigentlich schon hinter mir, wollte aber trotzdem nochmal dieses Gefühl vermitteln, dass es weitergeht und nicht alles schlecht ist. Klar, es war eine harte Zeit und ich musste lernen, damit umzugehen, aber es kommen auch wieder schönere Momente.

So sollten wir zu keiner Zeit unseres Lebens aus den Augen verlieren, dass es nach zerbrochenen Beziehungen trotzdem immer weitergeht – Schmerz und Verlust weichen Freiheit und Inspiration. In diesem Sinne, lasst Euch nun von Mira Naits neuer Single Hey Darlin’ begeistern!


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